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Trockenheit hinterlässt Spuren im Geschäftsergebnis

In der letzten Ausgabe der "PostED express" ging es um die geringe Abflussmenge des Rheins und was das für die Stromproduktion bedeutet. Auch aktuell liegt die Abflussmenge nur bei 420 m³ pro Sekunde. Bei einem Wasserstand von 261,25 m ü.M. Diese geringe Wassermenge führte in den Kleinkraftwerken im Schwarzwald bereits dazu, dass die Kraftwerke zum Stillstand gekommen sind.

Doch wie wirken sich diese Umstände auf das Geschäft aus? In unserer Rubrik Nachgefragt geben Daniel Schölderle, Leiter Energiewirtschaft und Produktion, und Jochen Ulrich, Leiter Asset Management Produktion, Antwort auf diese Fragen.

Welche Auswirkungen hat die geringe Stromproduktion auf unser Geschäft?

Jochen Ulrich: Das offensichtlichste zuerst: Wir haben weniger Strom produziert als erwartet und konnten somit weniger absetzen, das heißt verkaufen.

Daniel Schölderle: Das ist richtig, leider war die Produktion in der zweiten Jahreshälfte historisch schlecht. Aufgrund der stark gestiegenen Strompreise in den letzten beiden Jahren hat dies einen zusätzlichen negativen Effekt.

Wie jeder Stromproduzent sichern wir einen großen Teil der zu erwartenden Produktion bei Handelspartnern oder der Börse ab. Das machen wir bis zu drei Jahre im Voraus. In diesem Zeitraum lag der Preis für das Jahr 2018 durchschnittlich bei ca. 30 € pro MWh.

In den letzten Wochen lagen die kurzfristigen Handelspreise aber über ca. 50 € pro MWh. Durch den gestiegenen Strompreis und der niedrigen Produktion müssen wir die in den letzten Jahren zu günstigeren Preisen abgesicherte (verkaufte) Energie nun teilweise teuer zurückkaufen.

Wenn wir Strom zukaufen müssen, von wem kaufen wir den?

Daniel Schölderle: Bei den Absicherungsgeschäften handelt es sich größtenteils um finanzielle Stromprodukte, diese nennen sich Futures oder Forwards. Mit der physikalischen Erzeugung am Kraftwerk oder der Lieferung des regionalen Ökostroms über die Stromnetze an unsere Vertriebskunden hat dies allerdings nichts zu tun. Das heißt, die finanzielle Absicherung und die physikalische Lieferung sind zwei unterschiedliche Dinge.

Strompreis an der Börse 2019

Können wir durch die niedrige Produktion denn überhaupt noch 100 % Ökostrom vom Hochrhein anbieten?

Daniel Schölderle: Der größte Teil unseres NaturEnergie-Produkts kommt von unseren eigenen Kraftwerken Laufenburg, Rheinfelden oder Wyhlen sowie aus unseren Beteiligungen beim Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt und Bad Säckingen. Dieses Jahr reicht aber tatsächlich unsere eigene Produktion nicht aus, um alle Kunden zu beliefern.

Daher arbeiten wir mit anderen Kraftwerken am Hochrhein zusammen. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir damit alle Kunden bedienen können. Sollte das nicht möglich sein, werden wir auf unsere Kunden zugehen und ihnen ein alternatives Angebot unterbreiten.

Jochen Ulrich: Der Nachweis erfolgt durch sogenannte Herkunftsnachweise und wird durch eine TÜV Prüfung garantiert. Damit ist sichergestellt, dass dem Kunden nicht mehr Ökostrom aus der Region verkauft werden kann, als tatsächlich produziert wird.

 

Wie wirkt sich das alles auf unser Unternehmensergebnis aus?

Daniel Schölderle: Die geringere Erzeugung in den Sommer und Herbstmonaten, verbunden mit den hohen Rückkaufpreisen, werden sicherlich das Ergebnis belasten. Zum Glück hatten wir deutliche Mehrerlöse im ersten Halbjahr, sonst wäre das noch deutlicher ausgefallen.

Um die Erlösabweichungen zu veranschaulichen ein Beispiel:
Wenn wir ein 100 MW Band pro Monat für 30 €/MWh verkauft haben und nur 50 MW produzieren bei einem Preis von 50 €/MWh, sehen die Erlösabweichungen von der Planung wie folgt aus:

  • Erlöseinbußen aufgrund Mindererzeugung: 50 MW x 744 h x 30 €/MWh = 1,116 Mio. €, da der abgesicherte Strom nicht produziert wurde

  • Erlöseinbußen durch Rückkauf teuer abgesicherter Menge: 50 MW x 744 x (50 €/MWh – 30 €/MWh) = 744.000 €.

Das war so grob der Effekt, den wir in den letzten Monaten hatten.

Wenn wir statt 100 MW bei einer guten Wasserführung 150 MW produzieren würden, dann wäre das genau anders herum der Fall:

  • Mehrerlöse durch Mehrerzeugung: 50 MW x 744 h x 30 €/MWh = 1,116 Mio. €

  • Mehrerlöse durch teureren Verkauf: 50 MW x 744 x (50 – 30) = 744.000 €

Fazit: Ein extrem schlechter Monat kann sich zu einem extrem guten Monat um 4 Mio. € im Ergebnis unterscheiden.


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