Mehr Sonnenkraft fürs Ländle

Energiedienst setzt verstärkt auf die Kraft der Sonne – und plant neue Freiflächenanlagen in der Region. In enger Partnerschaft mit den Gemeinden. Christoph Umbricht, Leiter Photovoltaik-Freiflächenanlagen, über aktuelle Projekte, Herausforderungen und darüber, wie Kommunen von der Zusammenarbeit profitieren.

Wenn sich Kommunen dafür entscheiden, einen Vertrag mit uns abzuschließen, nehmen sie dafür bis zu 0,2 Cent je Kilowattstunde ein. Ohne Gegenleistung.“

Christoph Umbricht, Leiter Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Christoph Umbricht, Leiter Photovoltaik-Freiflächenanlagen

KOMMpakt: Herr Umbricht, Energiedienst verfolgt als strategisches Ziel, neue Solarstromanlagen auf Freiflächen in der Region zu errichten. Warum?
Christoph Umbricht: Seit über 120 Jahren produzieren wir inzwischen Strom aus erneuerbaren Energien für unsere Kunden – vorrangig aus Wasserkraft. Doch neue Kapazitäten lassen sich kaum mehr erschließen. Weder in Südbaden noch in der Schweiz. Weil wir die Energiewende aber weiter vorantreiben möchten, haben wir uns vor zweieinhalb Jahren entschieden, unsere Ökostromproduktion mit Photovoltaik auf Freiflächen zu erhöhen. Sie bietet reichlich Potenzial in der Region.

Welche Ausbauziele verfolgen Sie?
Wir planen, mittelfristig pro Jahr etwa drei bis vier Anlagen zu bauen mit einer Leistung von insgesamt rund zehn Megawatt Peak. Das ist zwar im Vergleich zu den Zielen der Bundesregierung eher ein Klacks, aber unser Beitrag, wie wir mit solchen Anlagen die Energiewende voranbringen können. Wir arbeiten dabei eng mit den Kommunen zusammen.

Wie kommen Sie dabei voran?
Unsere erste Freiflächenanlage in Döggingen produziert bereits seit Ende 2019 reichlich Ökostrom – sogar mehr als ursprünglich geplant. Der Ertrag liegt pro Jahr zurzeit bei rund 900.000 Kilowattstunden. Ein letzter Bauabschnitt wartet dort noch auf seine Fertigstellung. Das soll 2023 der Fall sein. Dann erzeugt das Sonnenkraftwerk mit einer Gesamtleistung von 2,15 Megawatt Peak voraussichtlich rund 2,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Genug, um rund 700 Haushalte mit Ökostrom aus Sonnenkraft zu versorgen.

Gibt es weitere Projekte?
Aktuell gewinnt unser Vorhaben an Fahrt. Wir prüfen zurzeit elf potenzielle Flächen. In die konkrete Bauleitplanung gehen wir jetzt in Weilheim. Dort haben wir uns eine Fläche gesichert, der Gemeinderat hat dem Projekt grünes Licht gegeben. Wir möchten dort eine Anlage mit einer Leistung von 2,5 Megawatt Peak realisieren. Dafür sollen zwei Modulreihen übereinander errichtet werden – insgesamt rund 6.300 Module.

Wann binden Sie die Kommunen in Ihre Pläne ein?
Generell gehen wir immer sehr früh auf die ansässige Gemeinde zu – und dabei partnerschaftlich vor. Außerdem berücksichtigen wir bei den Vorhaben die regionalen Bedürfnisse. Wir wollen Anlagen auf landwirtschaftlich weniger attraktiven Flächen bauen, mit einer überschaubaren Größe etwa zwischen zwei und fünf Hektar. Das steigert die Akzeptanz in der Bevölkerung. In Weilheim zum Beispiel soll der Solarpark auf einer Fläche entstehen, über der sich Hochspannungsleitungen befinden. Dieses Vorgehen kam gut an, sodass Bürgermeister und Gemeinderat der Entwicklung zustimmten. In der Regel wertet ein Solarpark auf solch einem Stück Land die Fläche ökologisch auf. Zwischen den Modulen werden ausgewählte Grassorten angesät, die die Biodiversität verbessern. Und wann immer möglich, beweiden Schafe die Flächen.

Wie viel Ertrag soll die Anlage in Weilheim liefern?
Wir profitieren in Südbaden von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden. Eine Anlage, wie wir sie in Weilheim mit 2,5 Megawatt Peak planen, erzeugt in einem normalen Sonnenjahr rund drei Gigawattstunden Ökostrom. Das entspricht rund 860 Haushalten mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden. Das Klima profitiert von etwa 1.100 Tonnen weniger CO2-Ausstoß pro Jahr.

Und wann kann es mit der Stromproduktion losgehen?
Grundsätzlich läuft solch ein Projekt über mehrere Jahre. Bereits 2020 haben wir mit dem Eigentümer des Grundstücks einen langjährigen Pachtvertrag geschlossen. Solch eine lange Laufzeit ist wichtig, damit sich die Investition auch rechnet. Dann musste der Gemeinderat erst einmal der Entwicklung zustimmen. Das geschah Ende 2021 und im April dieses Jahres wurde der städtebauliche Vertrag als Grundlage für das sogenannte Bauleitverfahren unterschrieben. Aktuell stecken wir in der konkreten Planung. Passt alles, kann der Bau im Frühjahr 2023 starten und die Anlage in der zweiten Hälfte 2023 in Betrieb gehen.

Warum dauert das so lange?
Jetzt prüft erst einmal ein von uns beauftragtes Ingenieurbüro die städtebaulichen Belange vor Ort. Das betrifft etwa den Artenschutz. Es müssen dazu Gutachten angefertigt werden. Dazu gehört zum Beispiel auch ein Umweltbericht, der aufzeigt, wie die Anlage die Natur tangiert und welche Ausgleichsmaßnahmen wir dafür treffen müssen. Parallel planen wir die Anlage im Detail weiter, und die Gemeinde Weilheim passt ihren Flächennutzungsplan für eine Belegung der Fläche mit einem Solarpark an. All das dauert in der Regel rund ein Jahr und bildet die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt eine Baugenehmigung erhalten. Der Bau selbst geht dann deutlich schneller – im Idealfall etwa drei Monate.

Brauchten Sie nicht an einer Ausschreibung teilzunehmen? 
Wir planen das Projekt ohne Förderung und müssen deshalb auch nicht bei einer EEG-Ausschreibung mitmachen. Das hat den Vorteil, dass wir freier im Prozess und bei der Wahl der Flächen sind. Außerdem verfolgen wir das Ziel, dass unsere Anlagen ohne staatliche Unterstützung wirtschaftlich arbeiten. Deshalb wollen wir den erzeugten Strom selbstständig vermarkten – zum Beispiel über Lieferverträge mit der Industrie, über regionale Stromprodukte mit ökologischem Mehrwert oder direkt über die Strombörsen.

Was hat die Kommune davon, wenn Energiedienst Solarparks baut?
Zunächst einmal unterstützt die Gemeinde damit natürlich die Energiewende. Aber sie profitiert auch finanziell. Das macht das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2021 möglich. Seitdem können sich Kommunen dafür entscheiden, einen Vertrag mit uns abzuschließen und dafür bis zu 0,2 Cent je Kilowattstunde einzunehmen. Ohne Gegenleistung. Bei einer Anlage in der Größe von Weilheim macht das pro Jahr bis zu 6.000 Euro. 

Können sich Städte und Gemeinden auch beteiligen?
Ja, auch das ist möglich. Je nach Beteiligungsform erhalten diese eine Rendite auf ein gewährtes Darlehen oder sie engagieren sich direkt als Mitinvestor – mit allen Chancen und Risiken des Projekts – und profitieren von den Einnahmen, die wir mit dem Verkauf des Ökostroms erwirtschaften. Außerdem planen wir, Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich an Anlagen zu beteiligen. Aktuell erarbeiten wir dazu ein niederschwelliges Online-Angebot für Engagements bis 25.000 Euro pro Anleger.
 

Titelfoto: Albert Vonnier, Photovoltaik-Freiflächenentwickler und Projektleiter bei Energiedienst, kontrolliert die PV-Anlage in Döggingen, die bereits Ökostrom produziert.

Freiflächenanlage von Energiedienst

Energiedienst sucht weitere geeignete Flächen für neue Solarparks in der Region. Das sind die Voraussetzungen und Bedingungen:

  • Flächengröße: mindestens 1,5 Hektar bei Südausrichtung, optimal sind drei bis fünf Hektar
  • Mögliche Leistung: Ein Hektar ergibt eine Leistung von rund einem Megawatt Peak
  • Betriebsdauer: 30 Jahre
  • Finanzierung/Vermarktung: ohne EEG-Förderung. Direkte Vermarktung zum Beispiel über Regionalstromprodukte mit ökologischem Mehrwert oder auch über langfristige Stromverträge mit der Industrie (Power Purchase Agreement). Kommunen können sich beteiligen. 2023 folgt ein Modell für Bürgerbeteiligungen
  • Netzanschluss: Anschlussmöglichkeit ans Mittelspannungsnetz. Abstand zur Leitung: je nach Größe der Anlage maximal rund 500 Meter
  • Grünpflege: vorrangig Schafbeweidung, falls nicht möglich, Mähen
  • Kosten: Energiedienst übernimmt sämtliche Kosten und Risiken für die Projektentwicklung – auch bei Nichtgenehmigung
  • Erlös für Verpächter: je Hektar beanspruchte Fläche ab 2.000 Euro pro Jahr. Bei einer Anlage mit drei Megawatt also rund 6.000 Euro Pachteinnahme jährlich
  • Erlös für Kommunen: Auch bei Nichtbeteiligung bis 0,2 Cent je erzeugte Kilowattstunde

Ihr Ansprechpartner

Christoph Umbricht, Leiter Photovoltaik-Freiflächenanlagen