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Flaute im Flussbett

„Niedrig-Pegel bremst Stromproduktion“ titelte die „Schweiz am Wochenende“ Mitte Oktober und es hieß weiter „Wasserkraftwerke in Laufenburg und Rheinfelden hinken in der Stromproduktion hinterher – Energiedienst hofft auf nassen Herbst“.

Hubert Strittmatter ist technischer Fachspezialist und im Asset Management im Kraftwerksbereich in Laufenburg tätig. Seine Statistik über die Wasserführung des Rheins geht bis ins Jahr 1950 zurück. Der niedrigste Tagesmittelwert seiner Aufzeichnungen lag 1963 bei 302 m³ pro Sekunde. Am 24. Oktober 2018 lag der Abfluss kurzzeitig bei 333 m³ pro Sekunde.

In einem normalen Oktober liegt die Abflussmenge bei 870 m³ pro Sekunde, aktuell sind es im Mittelwert 380 m³ pro Sekunde.
Die großen Rheinkraftwerke können deutlich mehr Wasser verarbeiten.

Die Ausbauwassermenge, also die Menge, bei der die Wasserkraftwerke ihre volle Leistung erreichen, liegt in Rheinfelden bei 1500 m³ pro Sekunde, in Laufenburg bei 1370 m³ pro Sekunde und im Doppelkraftwerk Augst-Wyhlen bei 1450 m³ pro Sekunde. Diese Menge kommt allerdings nur an 30 bis 50 Tagen im Jahr vor.  

 

Natürliche Ressource unterliegt natürlichen Schwankungen

Bemerkenswert ist, dass die Trockenphase bereits seit Mitte Juni anhält. Insgesamt waren die Monate Juli, August und September das zweittrockenste dritte Quartal nach 2003.

Quelle: Energiedienst AG, Stand 23.10.2018, Produktion Rheinfelden

Jochen Ulrich, Leiter Asset Management Produktion, sagt, dass sich die Auswirkungen auf das Unternehmen erst Ende des Jahres zeigen werden. „Wir müssen abwarten, wie das restliche Wasserjahr wird. Der Wasserstand im Rhein ist im Moment noch tiefer als im Sommer. Entscheidend ist, wie viel Niederschlag noch in den letzten Wochen des Jahres fällt. Eine natürliche Ressource unterliegt eben natürlichen Schwankungen.“

 

Überdurchschnittlicher Jahresbeginn dank Burglind, Evi und Friederike

Dabei war 2018 wasserreich gestartet. Der Besuch der Stürme Burglind, Evi und Friederike im Januar sind noch gut in Erinnerung. Im Schwarzwald bescherten sie bis zu 127mm Niederschlag innerhalb von 24 Stunden. Das bedeutet 127 Liter Wasser pro m².

Quelle: Energiedienst AG. Die durchgezogene blaue Linie zeigt die monatliche Produktion in 2018 für das Kraftwerk Laufenburg.
Der hellblaue Hintergrund zeigt das Band der maximalen und minimalen Kraftwerkserzeugung der letzten 10 Jahre. Das orangefarbene Diagramm zeigt die Mehr- oder Mindererzeugung in Prozent auf Jahressicht.

Deshalb und aufgrund weiterer Niederschläge war das Jahr bis Juni überdurchschnittlich. Doch seit September ist dieser Produktionsvorsprung aufgebraucht. Auf das gesamte Jahr gerechnet liegt die Produktion aktuell 5 bis 6 Prozent hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Im Januar und Februar war die Abflussmenge an den Rheinkraftwerken deutlich höher, als die Kraftwerke verarbeiten konnten.

Doch dieses überschüssige Wasser zu speichern und später zu verarbeiten, ist gemäß Konzession nicht erlaubt. Denn diese verpflichtet, das Oberwasser – der Wasserspiegel oberhalb des Wehrs – konstant auf einem Pegel zu halten. Daher ist es baulich auch gar nicht möglich, das überschüssige Wasser zu speichern.

In den Hochrheinkraftwerken laufen also derzeit nicht alle Maschinen. Die Kollegen nutzen dies, um sie zu warten und instand zu halten.

Am Hochrhein laufen die Kraftwerke wenigstens noch. Für die Kleinkraftwerke im Schwarzwald führen die geringen Wassermengen bereits dazu, dass die Kraftwerke über längere Phasen zum Stillstand gekommen sind.

Natürlicher Ausgleich der Produktionsschwankungen

Auch die EnAlpin AG produziert im Wallis Strom aus Wasserkraft. „Die unterschiedliche geografische Lage sorgt in diesem Jahr dafür, dass die Produktion der Kraftwerke im Wallis sogar überdurchschnittlich ist. Durch die Lage südlich des Alpenhauptkamms haben wir durch die EnAlpin oft einen natürlichen Ausgleich der Produktionsschwankungen“, sagt Daniel Schölderle, Leiter Energiewirtschaft und Produktion.

Neben einer guten Stromproduktion ist aber auch der Preis für den erzeugten Strom entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Wie das genau funktioniert und was die Strombörse mit unserer Stromproduktion zu tun hat, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe im November!


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