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KOMMpakt 03/2018

Konzept für ein intelligentes Ladesystem

In einer Wohnanlage tanken Bewohner ihre E-Autos mit Strom aus dem hauseigenen Blockheizkraftwerk – ein Musterbeispiel für die Sektorenkopplung. Das Ladekonzept entwickelten Energiedienst und Wohnbau Rheinfelden.

Etwa 54.000 E-Autos rollen aktuell über Deutschlands Straßen und es werden jedes Jahr mehr. Damit wächst die Nachfrage nach Lademöglichkeiten – auch in Mehrfamilienhäusern. Wie das intelligente Ladekonzept in den Wohnbau-Gebäuden Goethe-/Nollingerstraße in Rheinfelden dieser Herausforderung begegnet, erklärt Energiedienst-Projektleiter Klaus Nerz im Interview. Worauf es zu achten gilt, damit das Stromnetz dem zusätzlichen Energiebedarf standhält, zeigt Andrea Rahn, Teamleiterin bei ED Netze, auf.

KOMMpakt: Was ist der Kern des intelligenten Ladekonzepts in Rheinfelden?
Klaus Nerz: Jeder Bewohner soll die Möglichkeit haben, sein E-Auto zu laden, wann er möchte – dieses Ziel haben wir bei der Planung unseres Pilotprojekts in Rheinfelden verfolgt. Die Basis dafür ist ein intelligentes Ladekonzept. Der Strom für die E-Autos in der Tiefgarage stammt aus dem hauseigenen Blockheizkraftwerk (BHKW) sowie künftig aus der geplanten Photovoltaikanlage. Da vermutlich immer mehr Bewohner einen Ladeplatz benötigen, bauen wir ein modular wachsendes System auf.

KOMMpakt: Was passiert, wenn alle E-Autos gleichzeitig laden sollen?
Klaus Nerz: Tanken wenige Autos Strom, bekommen alle die maximale Leistung. Erst wenn immer weitere Autos ans Kabel gehen und von BHKW und Photovoltaikanlage nicht ausreichend Energie verfügbar ist, laden die E-Autos langsamer. Gegen Aufpreis lässt sich der Ladevorgang beschleunigen. Damit jeder nur das zahlt, was er verbraucht, ist eine Abrechnungssoftware in die Anlage integriert.

KOMMpakt: Inwiefern ist das System ein Beispiel für die Sektorenkopplung?
Klaus Nerz: Um den Kohlendioxidausstoß auf lange Sicht deutlich zu verringern, müssen die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zusammenspielen. Die Herausforderung dabei ist, die Systeme aufeinander abzustimmen. Alle betroffenen Bereiche müssen bereits bei der Planung berücksichtigt und der Netzbetreiber sollte frühzeitig mit ins Boot geholt werden. In Rheinfelden ist uns das gelungen.

KOMMpakt: Frau Rahn, kommt das Stromnetz mit der zunehmenden Anzahl an Elektroautos zurecht?Andrea Rahn: Aktuell sind die Netze stabil und können den zusätzlichen Strombedarf abdecken. Künftig müssen wir als Netzbetreiber jedoch bei der Konzeption von Neubaugebieten frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Wenn beispielsweise Quartierskonzepte mit mehreren Ladepunkten projektiert werden, muss die Netzinfrastruktur mitgedacht werden.

KOMMpakt: Wie bereitet sichED Netze auf die Entwicklung vor?
Andrea Rahn: Wie genau sich eine höhere Anzahl an Ladesäulen auf das Stromnetz auswirken wird, ist momentan noch nicht abzusehen. Bei einem Pilotprojekt mit der Netze BW GmbH in Ostfildern simulieren wir die künftige Entwicklung: Die Bewohner einer Straße erhielten zehn Wallboxen, also Ladepunkte für die Garage, und zehn E-Autos. Nun messen wir, welche Ladegewohnheiten die Einwohner entwickeln und wie diese das Netz beeinflussen. Mit diesem Projekt möchten wir die künftigen Herausforderungen an das Stromnetz konkretisieren.

Bild oben: Starteten symbolisch das intelligente Ladekonzept (v. l.): Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, Martin Steiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG, und Markus Schwamm, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Rheinfelden.

Ihr Ansprechpartner

Klaus Nerz

klaus.nerz@energiedienst.de

LADESÄULEN FÜR DIE REGION

80 Stromtankstellen unterhält Energiedienst derzeit in Südbaden, bis zum Frühjahr 2019 kommen 33 weitere hinzu. „Unser Ziel ist, dass Verbraucher künftig spätestens alle zehn Kilometer eine Ladesäule finden“, erklärt Werner Zehetner, Leiter Projekte und Mobilität bei Energiedienst. „Daran arbeiten wir intensiv und konsequent.“

Die ersten neuen Ladesäulen wurden in Häusern und Hilzingen in Betrieb genommen. Sie verfügen über jeweils zwei Ladepunkte mit einer Leistung von 22 Kilowatt, sind roamingfähig und via QR-Code nutzbar. Die 33 neuen Ladesäulen werden vom Bund beziehungsweise vom Land Baden-Württemberg gefördert. Energiedienst errichtet zehn Stromtankstellen im Landkreis Lörrach, sechs im Landkreis Waldshut, sieben im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, acht im Schwarzwald-Baar-Kreis sowie jeweils eine in den Landkreisen Konstanz und Tuttlingen.

„Die Schaffung der Ladeinfrastruktur ist die Basis, auf der die Elektromobilität aufbaut. Ich freue mich sehr, dass Energiedienst Hilzingen als einen der ersten neuen Standorte ausgesucht hat“, so Rupert Metzler, Bürgermeister von Hilzingen.


MIT GUTEM BEISPIEL VORANFAHREN 

Immer mehr Kommunen setzen auf klimafreundliche Mobilität. In Südbaden nutzen bereits über 30 Gemeinden ein Elektroauto von my-e-car, einem gemeinschaftlichen CarSharing-Unternehmen von Stadtmobil Südbaden und Energiedienst.

Immer mehr Kommunen setzen auf klimafreundliche Mobilität. In Südbaden nutzen bereits über 30 Gemeinden ein Elektroauto von my-e-car, einem gemeinschaftlichen CarSharing-Unternehmen von Stadtmobil Südbaden und Energiedienst.

E-Auto auf Probe
Energiedienst bietet Kommunen nun die Möglichkeit, ein Jahr lang die Vorzüge eines Elektroautos zu testen. Gemeinden können ein my-e-car für tägliche Dienstfahrten mieten. Der monatliche Pauschalpreis beträgt 699 Euro netto – inklusive Versicherung, Strom und Service. Außerhalb der Arbeitszeiten steht das E-Auto als CarSharing-Fahrzeug den Bürgern zur Verfügung. Auf Wunsch informiert Energiedienst gemeinsam mit der Kommune bei einer Veranstaltung die Bürger über das neue Angebot.

Ihr Ansprechpartner

Nils Hoesch

nils.hoesch@energiedienst.de

AUF WEITERE 20 JAHRE

Die Stadt Zell im Wiesental vergibt die Konzession für das Stromnetz erneut an die ED Netze GmbH.

Der Netzbetreiber ED Netze und die Stadt Zell im Wiesental haben Anfang Juni einen neuen Konzessionsvertrag unterzeichnet. „Heute ist ein guter Tag für Zell im Wiesental“, so Bürgermeister Peter Palme. „Für weitere 20 Jahre wird die seit Jahrzehnten bestehende Verbindung und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Haus ED Netze und seinen Vorgängerfirmen fortgesetzt. Die Zusammenarbeit reicht in der Tat weit zurück. Bereits 1895 schloss die damals noch selbstständige Gemeinde Mambach erste Verträge ab.“
ED Netze unterhält in Zell im Wiesental einen Servicestandort mit zehn Mitarbeitern. Von dort betreuen die Techniker das rund 136 Kilometer lange Ortsnetz sowie weitere Netze in der Umgebung.

„Das von ED Netze geäußerte Bestreben, den Servicestandort Zell im Wiesental zu halten bzw. auszubauen. stößt bei uns in Zell auf große Zustimmung“, erklärt Peter Palme, Bürgermeister von Zell im Wiesental. 


DANK ENERGIEAUDIT KOSTEN SPAREN

Bei einem Energieaudit ermitteln Fachleute, an welchen Stellen Betriebe und Kommunen Energie sparen und somit Kosten reduzieren können.

Die Analyse zeigt zudem auf, welche Investitionen sich in welchem Zeitraum rentieren. Gemäß der EU-Richtlinie 2012/27/EU vom 25. Oktober 2012 müssen alle Unternehmen, die nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gehören, seit 5. Dezember 2015 ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchführen. Auch die meisten kommunalen Unternehmen sind von dieser Pflicht betroffen. Das Audit muss alle vier Jahre wiederholt werden. Energiedienst bietet ein qualifiziertes Energieaudit nach den gesetzlichen Vorgaben an. Dabei erfassen Experten alle relevanten Daten, bewerten diese und erstellen eine Analyse sowie einen Auditbericht. Auf Wunsch prüft ein Spezialist vorab gemeinsam mit dem Kunden, ob eine Pflicht zur Durchführung des Audits besteht.

Mehr Infos:
www.naturenergie.de/energieloesungen/unternehmen


WÄRMEWENDE: EINE LOHNENDE INVESTITION

Mehr als jede zweite Kilowattstunde wird für Wärmeenergie eingesetzt – das zeigt eine Aufschlüsselung des Endenergieverbrauchs in Deutschland 2016 durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW).

Aktuelle Statistiken legen nahe, dass Fernwärme künftig eine führende Rolle in der Wärmeversorgung von Gebäuden einnehmen wird. Während Fernwärme als Energieträger im Wohnungsbestand aktuell nur einen Anteil von 13,8 Prozent innehat, sind es bei Neubauten bereits 25,3 Prozent. Insbesondere professionell-gewerbliche Vermieter setzen auf Fernwärme: In ihren Wohnungen beträgt der Anteil 55 Prozent.Gemäß einer Prognose des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung kann speziell erneuerbare Wärme die kommunale Wertschöpfung fördern.


MEHR WASSERKRAFT AM HOCHRHEIN 

Mit zwei Dotierturbinen hat Energiedienst am Wasserkraftwerk Wyhlen bisher ungenutztes Potenzial energetisch erschlossen.

Im Wasserkraftwerk Wyhlen liefern seit April zwei neue Kaplan-Turbinen sauberen Strom für rund 300 Haushalte pro Jahr. Das Wasser, aus dem nun Energie gewonnen wird, erzeugte zuvor ausschließlich die Lockströmung an der Fischtreppe und am Fischlift. „Der Ausbau der Erzeugungskapazitäten aus Wasserkraft ist für uns nach wie vor sehr wichtig“, sagt Daniel Schölderle, Leiter Energiewirtschaft und Produktion bei Energiedienst. „Insbesondere, wenn es gelingt, an bestehenden Anlagen weiteres Potenzial zu erschließen, ist die Erzeugung von Ökostrom im Einklang mit der Natur möglich.“

Kraftwerke liefern stetig Energie
Die Dotierturbinen der beiden EEG-geförderten Kleinkraftwerke arbeiten nahezu das ganze Jahr zu relativ konstanten Bedingungen, da die Fischaufstiegsanlagen sie gleichmäßig mit Wasser versorgen.

Mehr Infos: https://blog.energiedienst.de/dotierturbine-wyhlen/


NAHWÄRME KOMMT VORAN  

Energiedienst investiert seit Jahren in den Ausbau der Nahwärme. Die Energie gewinnt der regionale Energieversorger unter anderem aus industrieller Abwärme, wie bei einem integrierten Quartierskonzept in Rheinfelden. Im Frühjahr untersuchte Energiedienst das Potenzial des Schallstadter Abwassers als Wärmequelle für ein kaltes Nahwärmenetz. „Erneuerbare Wärmequellen werden immer wichtiger“, erklärt Jörg Bleile, Projektentwickler für Kommunen bei Energiedienst. „Unsere Messungen in Schallstadt haben gezeigt: Temperaturniveau und Trockenwetterabfluss sind für das Projekt ausreichend.“ Ab 2019 werden das neue Rathaus, der Wohnkomplex Sonnengrün und die neue Ortsmitte mit der Abwasserwärme versorgt.

30 KOMMUNALE GEBÄUDE versorgt Energiedienst mit Wärme

16 NAHWÄRMENETZE betreibt bzw. realisiert Energiedienst

Bei 25 BHKWs hat Energiedienst die technische Betriebsführung

Bei 15 BHKWs hat Energiedienst kaufmännische Betriebsführung


„Erneuerbare Wärmequellen werden immer wichtiger. In Schallstadt versorgen wir ab 2019 ein Quartier mit Wärme aus Abwasser“, erklärt Jörg Bleile, zuständig für die kommunale Projektentwicklung bei Energiedienst.