Potenzial auf den Wiesen im Land

Solarparks erzeugen günstig große Mengen an Ökostrom. In Baden-Württemberg sind sie auch auf bestimmten Acker- und Grünlandflächen erlaubt. Das bietet Chancen für Kommunen und den Klimaschutz.
 

Ende 2018 erreichte der Anteil der Stromerzeugung mittels Photovoltaik in Baden-Württemberg einen Anteil von 9,2 Prozent an der Gesamtstromerzeugung. Überwiegend kommen Solaranlagen auf Dächern zum Einsatz. Um die Klimaschutzziele der Regierung zu erreichen, muss jedoch insbesondere die Freiflächen-Photovoltaik weiter vorangetrieben werden.
 

Mehr Flächen für Photovoltaik
Das EEG 2017 sieht als zulässige Flächen für Photovoltaikanlagen vor allem Konversionsflächen und Seitenrandstreifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen vor. Da dieses Potenzial in Baden-Württemberg weitgehend ausgeschöpft ist, hat die Landesregierung schon im März 2017 die Öffnung der Ausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen für Gebote auf Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten verordnet. „Benachteiligte Gebiete“ sind solche, auf denen die landwirtschaftliche Produktion nur erschwert möglich ist oder die nur bedingt ertragsreich sind.
 

Anlagen in benachteiligten Gebieten
Damit können bei den bundesweiten Solarausschreibungen in Baden-Württemberg auch Gebote in „benachteiligten Gebieten“ im Umfang von bis zu 100 Megawatt pro Kalenderjahr einen Zuschlag erhalten. Das gilt im Ländle für rund 900.000 Hektar Fläche. Für Photovoltaik-Freiflächenanlagen über 750 Kilowatt Peak (kWp) und bis 10 Megawatt stehen somit zahlreiche zusätzliche Flächen zur Verfügung. Für solche nicht privilegierte Vorhaben im Außenbereich ist in der Regel jedoch ein Bebauungsplan erforderlich.
 

Neue Möglichkeiten für Kommunen
Solaranlagen mit einer installierten Leistung von 750 kWp oder weniger sind von der Ausschreibungspflicht ausgenommen und können nach den Bestimmungen des EEG 2017 gefördert werden. Für Kommunen eröffnen sich damit neue Projektmöglichkeiten, kommunale Anlagen und Bürgerenergieanlagen werden wieder interessant.
Photovoltaikanlagen ab einer Größe von 100 kWp fallen weiterhin unter die verpflichtende Direktvermarktung. Die Vergütung für Freiflächen-Photovoltaik-anlagen beträgt unabhängig von der Größe 8,91 Cent pro Kilowattstunde.

 

Energiedienst investiert jeweils 1,5 Millionen Euro in Döggingen und in Fröhnd

Zum ersten Mal errichtet auch Energiedienst eine Photovoltaik-Freiflächenanlage. Sie entsteht in drei Bauabschnitten mit einer Leistung von jeweils 750 kWp auf einer Wiese im Bräunlinger Ortsteil Döggingen. Die gesamte Anlage mit ihrer Leistung von 2,25 kWp wird voraussichtlich rund 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen.

Die PV-Anlage weist eine Besonderheit auf, denn sie benötigt keine Betonfundamente. Die PV-Module sind auf Stahlträgern montiert, die 1,20 Meter tief in die Erde gerammt werden. Sie können mühelos entfernt werden, wenn die Förderung beendet ist oder das Gelände wieder anderweitig genutzt werden soll. Nur einige Träger mussten aufgrund des bodennahen Felsens einbetoniert werden.

Spätestens zum 1. Januar 2020 soll der erste Bauabschnitt in Betrieb gehen. Die anderen beiden Bauabschnitte folgen jeweils im Zweijahresabstand. Energiedienst investiert in Döggingen insgesamt rund 1,5 Millionen Euro in den Ausbau der Erzeugung aus Sonnenenergie.

Auch der Gemeinderat Fröhnd stimmte unlängst für den Bau einer 16.000 Quadratmeter großen PV-Freiflächenanlage auf einer privaten Weide im Ortsteil Künaberg. Sollte bis zum Sommer eine Baugenehmigung vorliegen, könnten die Solarzellen bereits im dritten Quartal Strom produzieren.

Energiedienst investiert in Döggingen und in Fröhnd jeweils insgesamt rund 1,5 Millionen Euro in den Ausbau der Erzeugung aus Sonnenenergie. Die Anlagen liegen in „benachteiligten Gebieten“ und werden über das Erneuerbare-Energien-Gesetz 20 Jahre lang gefördert. Sie versorgen rein rechnerisch rund in jedem Ort 600 Haushalte mit Ökostrom aus Sonnenkraft.