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Kraftstoff für 1.000 Autos

„Wir setzen auf emissionsfreie Erzeugung von Wasserstoff“, mit diesen Worten weihte Martin Steiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG, zusammen mit der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut Mitte November die Power-to-Gas-Anlage beim Wasserkraftwerk Wyhlen ein.

Fast 90 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Behörden ließen sich nach dem obligatorischen Drücken des Buzzers die Anlage durch das Projekt-Team erklären.

Genauso viele Energiedienst-Mitarbeiter nutzten am nächsten Tag die Gelegenheit, sich die Anlage aus der Nähe anzusehen. Gruppenweise erfuhren sie vom Projektteam Einzelheiten zu den Komponenten der Anlage.

Wasserstoff wird in der Energiewelt der Zukunft eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn er speichert Energie, treibt Fahrzeuge an und kann in der Strom- und Wärmeversorgung eingesetzt werden.

Hilfreich für den Klimaschutz ist er dann, wenn er aus Elektrolyse mit Ökostrom erzeugt wird.

Martin Steiger, Vorsitzender des Vorstands der Energiedienst Holding AG, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Professor Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, Marion Dammann, Landrätin des Kreises Lörrach und Dr. Tobias Benz, Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen (von links) weihen die Power-to-Gas-Anlage am Wasserkraftwerk Wyhlen offiziell ein.

Der Standort Wyhlen ist ein Musterbeispiel für das Energiesystem der Zukunft. Hier greift erstens die Sektorenkopplung und zweitens kann das Wasserkraftwerk zusammen mit der Power-to-Gas-Anlage Systemdienstleistungen zur Stabilisierung des Stromnetzes erbringen. Denn das Kraftwerk kann je nach Bedarf Regelenergie zur Verfügung stellen.

Es kann also Energie ins Stromnetz einspeisen oder mit dem Strom die Wasserstofferzeugungsanlage betreiben. Die Power-to-Gas-Anlage kann entsprechend rauf- oder runterfahren. Zudem soll die Abwärme, die bei der Produktion des Wasserstoffs entsteht, in einem in der Nähe geplanten Baugebiet die Wärmeversorgung sicherstellen.

Die Power-to-Gas-Anlage nutzt den Ökostrom des Wasserkraftwerks und erzeugt durch Elektrolyse Wasserstoff. Dieser soll als Kraftstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge dienen und übergangsweise auch Wasserstoff, der mit fossilen Energieträgern gewonnen wird, bei der industriellen Nutzung ersetzen. Die Anlage hat eine Leistung von 1 Megawatt und erzeugt rund 200 m³ Wasserstoff pro Stunde. Damit können rund 1.000 Brennstoffzellenfahrzeuge klimaneutral betrieben werden.

Neben dieser kommerziellen Anlage erprobt das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in einer Forschungsanlage effizienz- und kostenoptimierte Elektrolyseblöcke unter realen Bedingungen. Das ZSW koordiniert das aus beiden Anlagen bestehende Gesamtprojekt. Ziel ist, einen Leitfaden für den effizienten Betrieb von Power-to-Gas-Anlagen zu entwickeln.

Energiedienst investiert in die kommerzielle Anlage rund 6 Millionen Euro. Das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg fördert das gesamte Leuchtturmprojekt, also einschließlich der ZSW-Forschung, mit 4,5 Millionen Euro.

Die Power-to-Gas-Anlage ist nun offiziell eingeweiht worden. Nach Test- und Probebetrieb soll sie ab März im Normalbetrieb Wasserstoff produzieren.

Wie die Power-to-Gas-Anlage in Wyhlen entstand, zeigt die Zeitraffer-Aufnahme während der Bauzeit von Ende Januar bis Anfang Oktober 2018.

Gut zu wissen

Sektorenkopplung ist die Vernetzung der Sektoren Elektrizität, Wärme, Mobilität und Industrie, um CO2-Emissionen zu senken. Die ganzheitliche Betrachtung aller Sektoren ermöglicht ein besseres Gesamtsystem, als wenn alle Sektoren getrennt agieren.

Weitere Infos gibt es auf Wikipedia.


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