Das Projekt in Kürze:

  • Industrieabwärme heizt künftig Wohnsiedlungen
  • Überschüssige Abwärme wird verstromt
  • Abwärme wurde zuvor ungenutzt in Rhein geleitet
  • win-win-Situation für Kooperationspartner Energiedienst und Evonik
  • 2,8 Millionen Euro Investition

Industrieabwärme heizt Wohnungen in Rheinfelden

Energiequelle Industrieabwärme

Die beim Kühlen von industriellen Prozessen entstehende Abwärme bleibt oft ungenutzt. Auch für Evonik ist die Abwärme einer Produktionsanlage in Rheinfelden nicht nutzbar. Theoretisch lässt sich die Abwärme allerdings nachhaltig einsetzen, zum Beispiel fürs Heizen und die Versorgung mit Warmwasser in benachbarten Wohngebieten. Gemeinsam mit Evonik setzt Energiedienst ein solches umweltfreundliches Fernwärmekonzept um: „Wir entnehmen in den Produktionsstätten zukünftig rund 95 Grad heißes Wasser auf dem Kühlkreislauf. Dieses speisen wir voraussichtlich ab Sommer 2020 in unser Wärmenetz für die Wohngebiete Grendelmatt und Schildgasse ein", erklärt Klaus Nerz, Leiter des Bereichs Wärme- und Energielösungen von Energiedienst. Künftig nimmt Energiedienst ganzjährig eine Wärmeleistung von 5.2 MW ab. Das sind rund 42 Millionen kWh und damit genug, um eigene Gebäude und mehrere 1.000 Wohnungen in Rheinfelden zu heizen oder um dort Warmwasser zu bereiten. Rund 900 Meter zusätzliche Leitungen verlegt Energiedienst hierzu momentan.

Rund 13.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) lassen sich durch das Projekt jährlich einsparen. Das ist ein bedeutender Schritt in Rheinfelden für den Klimaschutz.

Daniel Schölderle, Vertriebsleiter Energiedienst

Wärme vielfältig nutzen

Die Wärme wird direkt in Wohnhäusern und Gewerbebetrieben genutzt. Im Sommer, wenn der Bedarf für Heizen und Warmwasser sinkt, gewinnen Dampfturbinen aus Wärme wieder Strom.
Von dieser intelligenten Nutzung gewerblicher Wärmepotenziale profitieren alle Beteiligten: Die Industrie gibt ungenutzte Prozesswärme ab und verringert gleichzeitig den Kühlbedarf. Die Haushalte in den Wohnquartieren benötigen weniger oder gar keine fossilen Brennstoffe für die Wärmeerzeugung. Das spart in Rheinfelden rund 13.000 Tonnen CO2 und bringt die Stadt ihren Klimaschutzzielen einen großen Schritt näher. „Wir rechnen in der Region mit weiterem Potenzial für ähnliche Projekte. Gespräche mit weiteren Industrieunternehmen laufen", erklärt Klaus Nerz. Mittelfristig strebt Energiedienst danach die Abwärme auch für Kühl- und Trocknungsprozesse zu verwenden. Hierzu müssen allerdings noch Kunden gefunden werden. Die Nutzung der Industrieabwärme hat ein großes Potential. Für einen nötigen Ausbau des Wärmenetztes wünscht sich Energiedienst eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken.

Ansprechpartner

Aktueller Projektstand / Baufortschritt

Mit der Unterzeichnung der Verträge geht beginnt die wegweisende Zusammenarbeit zwischen Evonik und Energiedienst bei der Wärmeabnahme:

Peter Adler, Projektleiter Evonik, Olaf Breuer, Standortleiter Evonik Rheinfelden, Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsleitung Energiedienst und Klaus Nerz, Leiter Wärme- und Energielösungen Energiedienst (von links) unterzeichnen gemeinsam die Verträge in Energiediensts Rheinfelder Bürogebaude.

Mit einem symbolischen symbolischen Spatenstich am Donnerstagnachmittag, 05. März 2020, beginnen die Bauarbeiten von Energiedienst für die neue Nahwärmeleitungen und die Heizzentrale an der Schildgasse.

Bild von links: Klaus Nerz (Energiedienst), Stefan Fiedler (Evonik), Daniel Schölderle, Dagmar Kaiser (beide Energiedienst), Peter Adler (Evonik) und Olaf Breuer, Standortleiter Evonik Rheinfelden.

Die Bauarbeiten der neuen Heizzentrale beginnen: Das Fundament wird gegossen, der Beginn der Wärmeleitung zur Evonik wird verlegt.


Die zwei großen Wärmeleitungen sind in einer Ecke der entstehenden Heizzentrale platziert. Wenn die Zentrale fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde, fließt durch sie 95 Grad warmes Wasser.

 

Das Fundament der Heizzentrale ist fertiggestellt. Ein Baugerüst markiert die Stelle, an der das Gebäude entstehen soll.

 

 

Während auf dem Energiedienst-Areal in der Schildgasse die Heizzentrale langsam Form annimmt, werden auf dem Gelände der Evonik Mikropfähle verbohrt, die später die neue Brücke stabilisieren, auf der die Wärmeleitungen liegen. Die Mikropfähle haben eine Länge von bis zu 16 Meter.

 

Ein Kran hebt tonnenschwere Fertigbauelemente in ihre Position, Arbeiter auf den Baugerüsten dirigieren den Kranführer und helfen die Elemente zu platzieren: Die Außenwände der Heizzentrale wachsen schnell.

 

Die Wärmeleitung wird nahe dem Umspannwerk verlegt. Hier fließt künftig 95 Grad warmes Wasser von Evonik zur Energiezentrale und von dort aus in die Nahwärmenetze.

 

Auf einer Länge von 54 Metern und in sieben Metern Tiefe wurden von einer Fachfirma bei einer Pressbohrung Rohre für die Abwärmeleitung unterhalb eines Bahndamms verlegt. Das Rohr verbindet die neue Rohrbrücke auf dem Evonik-Gelände mit der Energiezentrale an der Schildgasse. Mehr Infos

 

 

Um den Zugverkehr nicht zu stören, wurden die Arbeiten bei Nacht durchgeführt. Das Fernwärmerohr hat einen Durchmesser von etwa 1,20 Meter. Die Ausmaße lassens ich auf dem Bild unten erkennen.

 

Drei massive Tischkühler und die 50 Tonnen schwere Einhausung der ORC-Anlage werden zur Baustelle an der Schildgasse geliefert und per Autokran in Position gehoben.

 

Ein Autokran hebt die 18 Tonnen schwere ORC-Anlage in die dafür vorgesehene Einhausung. Künftig wandelt sie überschüssige Wärme in Strom um.